Scheunenumbau B16A

SCHEUNENUMBAU MIT CARPORT | 2019 | 240 m²

„Wohnen, drinnen wie draußen“ zwischen Stampfbeton und Backstein

“Unser Haus ist wie ein Zwischenraum, in dem man Jahreszeiten, Natur und Umwelt hautnah spürt.” So beschreiben die Bauherren ihre Scheune nach dem Umbau. Auf einem sehr kleinen Grundstück ist ein großzügiges Gebäude entstanden, welches das Lebensgefühl vom “Wohnen drinnen wie draußen” vermittelt.

Ausgangslage dieses Projektes war ein bestehendes Bauernhaus mit angrenzender Scheune. Das Grundstück, auf dem das Objekt sich befindet, hat die Form eines spitzwinkligen Dreiecks. Die Bauherren, die zu dieser Zeit mit ihren Eltern und Großeltern im Mehrfamilien-Bauernhaus lebten, hegten den Gedanken, die alte Scheune zu einem Einfamilienhaus umzubauen. Die Herausforderung bei dieser Bauaufgabe lag nicht in der Größe der Scheune, diese war groß genug für ein Einfamilienhaus und die Außenmauern durften aufgrund des Bestandschutzes grenznahe stehen bleiben, allerdings konnte lediglich ein Grundstück von 312qm aus dem Bestand der Eltern „herausgelöst“ werden. Dazu kamen zwei weitere Faktoren: Die beiden Bestandswände standen nicht im rechten Winkel zueinander und baurechtlich durfte in diese Wänden keine Fenster eingebaut werden.

Bedingung der Bauherren war, so viele Elemente wie möglich zu erhalten und mit den bestehenden Ressourcen zu arbeiten. Das Wohnkonzept, welches sie sich im Ergebnis wünschten, lautete “Drinnen wie draußen”. Dabei sollte die Küche eine zentrale Rolle spielen. Weiterhin musste auf dem kleinen Grundstück noch ein Treppenaufgang untergebracht werden als Anschluss der bestehenden Dachwohnung im Elternhaus. Zusätzlich sollte sich die umgebaute Scheune zu einem späteren Zeitpunkt leicht in  zwei Wohnungen teilen lassen, wobei die Erdgeschoss-Wohnung barrierefrei sein musste. Im Ergebnis wurden alle Bedingungen erfüllt. Nach einer intensiven Planungsphase ist auf dem kleinen Grundstück ein Lebensraum entstanden, der das Wohn-Konzept “Drinnen wie draußen” zu leben und sich barrierefrei bewegen zu könne ermöglicht. Das Haus ist wie ein Zwischenraum, in dem man Jahreszeiten, Natur und Umwelt spürt.

Das Objekt wird eröffnet durch einen Carport in Stahlbeton mit extensiv begrüntem Dach, das in diesem Fall ein wahres Multitalent ist. Neben seiner eigentlichen Funktion erfüllt dieser Carport auch die Funktion des Hauseingangs, sowie eines sicheren abschließbaren Raums für die Rennräder und Mountainbikes der Bauherren. Weiterhin beherbergt es eine Brunnenanlage für ein Wasserspiel und ist Eingang zu der bestehenden oberen Dachwohnung. Die repräsentative torähnliche Haustüre ist in Rohstahl ausgeführt wie auch die Türe zur Dachwohnung und zum Abstellraum. Mittlerweile zeigen die Rohstahlteile Rostfarben die perfekt mit dem Hellgrau  des Betons harmonieren. Der Hauseingang führt in eine Art Zwischenzone, den privaten Innenhof mit Wasserspiel, Sonnenliege und Essplatz. Der Clou, die Treppe zu der oberen Bestandwohnung,  wird hinter einer gut 4 Meter hohen Stahlwand geführt. Im Raum darunter entstand ein weiterer Abstellplatz.

Im Innenhof zeigt sich nun das zurückversetze Haus mit transparentem Eingang, der sich komplett öffnen lässt, um die Grenzen zwischen drinnen und draußen verschwinden zu lassen und den Blick freigibt auf das zentrale Element des Hauses, die Küche in Nussbaumholz, Rohstahl und Porphyr.

Im Entree des Hauses sind auf der einen Seite die Stampfbetonmauer und der Backstein sichtbar, da hier ein Luftraum geschaffen wurde, auf der anderen Seite befindet sich eine großzügige Garderobe mit Zugang zum Gäste-WC. Zwischen der Bestandswand aus Stampfbeton und einer Wandscheibe, die im Obergeschoss zur Brüstung wird, faltet sich eine auf Gärung gearbeitete Eichentreppe nach oben. Die Treppe ist besonders wirkungsvoll, da hier ein Stabparkett vom Schreiner gefertigt wurde, das genau den Maßen der Stufen entspricht und mit der Laufrichtung verlegt zum Hochgehen einlädt. Die rechte Wandseite der Treppe ist gleichzeitig Rückwand der Küche, hinter der sich im Treppenraum und fortlaufend an der äußeren Hauswand ein langer Abstellraum für Gefrierschrank, Vorräte, Reinigungsutensilien, Haustechnik etc. versteckt. Der Clou, der Eingang in diesen Mehrzweckraum, ist in die Küchenfront integriert und quasi unsichtbar. Durch diese planerischen Details entsteht ein klarer Raum mit reduzierter Formensprache.

Küche und Wohnbereich trennt eine halbe Wandscheibe mit einem vertikalen länglichen Ausschnitt, der flächenbündig zur Küchenfront gesetzt wurde. Dieser Raumteiler schafft Intimität für das Wohnen und ist dennoch keine Kommunikationsbarriere für die Familie. Die raumhohe Verglasung mit 8 Meter Länge, die zur Hälfte geöffnet werden kann, holt das Grün des Gartens nach drinnen. Über die Hebe-Schiebe-Elemente erschließt sich der Außenbereich mit Steinterrasse. Über ein Wasserbecken in Rohstahl gelangt man zu einem Gartenbereich mit Liegebank. Es wiederholen sich auch im Außenbereich die Materialien Stampf- und Sichtbeton, Backstein sowie Holz. Schön ist, dass sich der Essplatz auf der Terrasse und im Innenhof von ihrer Ausrichtung perfekt ergänzen, so können von Frühjahr bis Herbst alle Zustände – von Sonne bis Schatten – jederzeit genossen werden.

Im EG grenzt an den offenen Wohn-/Essbereich ein Zimmer mit barrierefreiem Bad an, wodurch das Erdgeschoss zu einem späteren Zeitpunkt als vollwertige Wohnung nutzbar wird.

Das Obergeschoss ist in drei Räume unterteilt und beinhaltet neben dem Elternbad auch ein Duschbad für Kinder. Im rückwärtigen Gebäudeteil mit freilegender Giebelwand aus Backstein und firsthohem Luftraum befindet sich der großzügige Elternbereich mit halboffenem Bad und einem 8 Meter langen Einbauschrank, der unter anderem auch den Wäscheabwurf integriert. Über dem Bad befindet sich eine zweiseitig offene Galerie, die durch eine Faltwerktreppe aus Schwarzstahl erschlossen wird. Auf dieser Galerie eröffnet sich durch die großzügigen Dachflächenfenster der Blick nach Osten und Westen, sodass Bergpanorama, sowie Sonnenaufgang und -untergang erlebbar sind. Diese Art der Gestaltung zieht sich auch durch die beiden Kinderzimmer durch, beide haben eine kleine Schlafgalerie mit Dachfenstern und Wandausschnitten, die die Lichtqualität spürbar positiv beeinflussen. Die Kinderzimmer umschließen ein Duschbad, das den Kindern vorbehalten ist.

Der Hauseingang 2 – Im zum Carport zeigenden Kinderzimmer wurde spiegelbildlich zum EG, eine vollverglaste Hauseingangstüre verbaut, die durch ein trapezförmiges Podest an die Treppe angeschlossen ist und gleichzeitig als Aufgang zur Dachwohnung im bestehenden Bauernhaus dient. Diese Baumaßnahme wurde bereits im Hinblick auf eine spätere Unterteilung des Einfamilienhauses in zwei Wohnungen geplant und umgesetzt. Des Weiteren wurden die Zwischenwände des Obergeschosses, bis auf die der Bäder, in Holzständerbauweise ausgeführt, sodass sie, im Falle einer Umwandlung in zwei Wohneinheiten, leichter rückbaubar sind. Im Ergebnis entsteht dann eine Loft-ähnliche OG-Wohnung mit Dachkojen für Arbeitsbereiche und eine Galerie, die genug Platz für ein Doppelbett bietet. Vorbereitend sind bereits auch die Anschlüsse für Küche, Waschmaschine etc. umgesetzt worden.

Die verwendeten Materialitäten sollten dem Gebäude einen ruhigen und minimalistischen Charakter verleihen. Dabei orientierte sich der Entwurfsgedanke an den Materialien des Scheunen-Bestands. So setzt sich beispielsweise die Stampfbetonmauer im EG nahtlos im Außenbereich fort und die Backsteinwand des Giebels läuft aus dem Badezimmer weiter und bildet, mit der großen Gaube und dem extensiv begrünten Flachdach des EGs, einen oasenhaften Zwischenraum, der das Panorama aus der Dusche zu einem Natur-Erlebnis werden lässt. Als Bodenbelag wurde im gesamten Gebäude ein flügelgeglätteter Sichtestrich verlegt, der mit den Stampf- und Sichtbetonelementen eine Einheit bildet, die perfekte Kulisse für das Nussbaumholz der Küche und die Marmordetails in den Bädern. So finden sich im Gebäude neben Beton, Backstein, Holz und Corian nur noch Bauteile aus Schwarzstahl.

Im Ergebnis wurde ein minimalistisch, zeitlos-elegantes Gebäude geschaffen. So schwierig die Bauaufgabe zu Beginn auch schien, so einfach und klar wirkt das Gebäude – wie eine Einheit in der Proportion, Funktionalität, Form und Materialität perfekt harmonieren.

 

 

 

 


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