Rosthaus

EINFAMILIENHAUS | NEUBAU | 2012 | 147 m²

Das Haus Gerstenberg, direkt am Ufer eines Flusses liegend, schließt als zweigeschossiger Anbau mit Untergeschoss im Norden quer an ein altes, typisch elsässisches Wohnhaus an. Der Baukörper ist ein schlichter Quader, der an verschiedenen Stellen durch über Eck gelagerte Fenster aufgebrochen und plastisch gestaltet ist.

Der Anbau erstreckt sich auf drei Ebenen und beinhaltet alle Funktionen des Wohnhauses. Im Untergeschoss befindet sich, ein größerer Badebereich. Küche und Wohnraum gehen im Erdgeschoss fließend ineinander über. Das Obergeschoss ist der Arbeits- und Schlafbereich der Bauherren. Zwischen Bestand und Neubau ist eine Erschließungszone eingefügt. In diesem Bereich liegt in einem vertikalen Luftraum die Treppe. Sie windet sich um einen durchgehenden geschlossenen Baukörper vom Untergeschoss bis in den oberen Stock. Von hier gibt es einen Durchgang in die Gästewohnung im Bestand. Die Erschließungszone schiebt sich durch den ganzen Bau und verbindet optisch den Haupteingang und den Zugang zum Garten. Vor diesem liegt ein Wasserbecken, über das man über mehrere Trittsteine hinweg in den Garten und an den Fluss gelangt.

Bei diesem Objekt wurde bewusst auf “Zimmer” im klassischen Sinn verzichtet. Der Grundriss wird lediglich in verschiedene Zonen und Bereiche gegliedert durch einzelne massive Sichtbetonkörper. Diese sind im Erdgeschoss so angeordnet, dass sie einen weiten Raum freigeben, der optisch bis in die Gartenanlagen reicht. Im Obergeschoss ist der Raum kleinteiliger gegliedert. Es entsteht ein Spiel von Enge und Weite, von offenen und geschlossenen Räumen und Raumfolgen. Die Fassade ist im Westen und Norden, der Nutzung entsprechend, eher geschlossen. Zwischen den massiven Sichtbetonkörpern ergeben sich dennoch die verschiedensten Durchblicke. Schiebetürelemente zwischen den Betonelementen ermöglichen die Räume je nach Bedarf zu verändern. Erdgeschoss und Obergeschoss sind im Bereich des Eingangs durch den vertikalen Luftraum miteinander verbunden. Im Schlafbereich – auf der Westseite –  kann durch ein Panoramafenster über Eck der Blick über die Felder bis hin zu den Vogesen schweifen. An der Ostseite kragt der Baukörper im Obergeschoss über die darunter liegende Terrasse aus. Fast frei schwebt man in Mitten der Natur. Das Wasser des unter einem fließenden Flusses ist zum Greifen nahe.

Wie ein roter Faden zieht sich die Suche nach der Reinheit des Materials durch das ganze Projekt. Der Bau ist durch die Verwendung urwüchsiger Stoffe geprägt: Verrosteter Stahl (Cortenstahl), Sichtbeton sowie der unbehandelte Dielenboden aus historischem Eichenholz.

Durch die Cortenstahlfassade fügt sich der Baukörper unaufgeregt in die natürliche Umgebung des Ortsrandes ein. Die Fassade harmoniert durch ihren tiefen, ins bräunliche changierenden Rotton bestens zu den umliegenden Feldern. Gleichzeitgig tritt das Rot in einen spannungsreichen Kontrast zum Weiß des Bestandsgebäudes. Das Plattenraster ergibt sich aus der Verschneidung der verschiedenen Fensterformen in Erd- und Obergeschoss. Über dem Raster der Cortenstahlplatten liegt das Netz der Edelstahlschrauben. Es akzentuiert den rauen Charakter des Fassadenmaterials. Damit sich das Schraubenbild deutlich von den rostigen Stahlplatten abhebt, wurden Zylinderkopfschrauben mit Innensechskant aus Edelstahl und Unterlegscheiben aus dem gleichen Material verwendet.

Der  Stahl umhüllt den Sichtbeton, der im Inneren wie Fels Ruhe ausstrahlt. Trotz klarer geometrischer Formen behält der Beton, durch seine lebendige innere Unregelmäßigkeit, eine naturwüchsige Eigenart. Die hellen Oberflächen des Sichtbetons reflektieren das einfallende Tageslicht.

Der kühlen Massivität des Betons steht das braune Dunkel der Eichendielen entgegen. Sie geben dem Raum einen warmen Klang. Das erdige Dunkel entspricht dem natürlichen Gleichgewicht des Bewegungsraumes – das Dunkel zieht nach unten, der helle Sichtbeton dagegen gibt nach oben frei. Die raue Struktur des alten Holzes vermittelt  eine wohlige Behaglichkeit, als stünde das Haus schon seit Urzeiten so da.

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